16. Februar 2016

Fichtensamen - seltenes Winterfutter für Vögel

Fichtenzapfen werden von Profis gepflückt, die sie in schwindelnder Höhe ernten. Entsprechend kostbar sind sie und für das übliche Winterfutter viel zu teuer. Anschließend werden die Zapfen solange getrocknet, bis sich die Schuppen abspreizen, die Flugsamen herausfallen und als Saatgut an Baumschulen verkauft werden können.

In der Natur geschieht das bei trockener Witterung hoch oben in den Wipfeln und besonders bei Wind können die nur 0,007 Gramm leichten Samen kilometerweit fliegen und vielleicht wieder zu einer großen Fichte werden. Das hat sich seit Jahrmillionen bewährt, denn bei 200 bis 300 Samen pro Zapfen versuchen es Zehntausende. In starken Samenjahren, die alle drei bis vier Jahre auftreten können, wurden schon bis zu 1.600 Samen pro Quadratmeter gezählt!  Die leeren Zapfen fallen dann Monate später zu Boden.

Einige Spezialisten wie Spechte, Kreuzschnäbel und Eichhörnchen bedienen sich ebenfalls in den Fichtenkronen an den ölhaltigen Samen. Aber wie kommen wir dran, wenn wir sie fürs Futterhäuschen ernten möchten?
Ganz einfach: Bei Sturm im Winter werden oft reife Zapfen abgerissen und die kann man
sammeln, trocken und dann die Samen herausschütteln.

Und wie unterscheiden sich am Boden liegende leere Zapfen aus dem Vorjahr von den noch gefüllten? Auch ganz einfach: die leeren Zapfen sind dunkelbraun und lassen sich von Hand zerbrechen. Dagegen sind die frischen Zapfen rehbraun, lassen sich nicht von Hand zerbrechen und tragen manchmal am Grund noch grüne Nadeln.





    Frischer, rehbrauner Zapfen mit Nadeln, 
im Januar gesammelt. Darunter Flugsamen, die nach Trocknung herausfallen.


Vorjährige Zapfen sind leer und lassen sich von Hand zerbrechen.


 
    Diesjährige Zapfen sind rehbraun und lassen sich nicht zerbrechen.


  Die unteren beiden Samen tragen noch das begehrte Samenkorn, die oberen sind schon von Vögeln geleert.


   Fichtensamen bereit zur Verfütterung


   Eichhörnchen reißen die Schuppen ab, um an die ölhaltigen Samen zu kommen.


     Auch die Samen von unreifen, grünen Zapfen werden von Eichhörnchen verspeist.

  Den Zapfen rechts hat ein Specht zerzaust, um an die Samen zu kommen.


                                                                                                                                  Dr. Friedrich Buer
                                                                                                                                    16. 2. 2016

8. Oktober 2015

Igel im Herbst

Igelkinder suchen Futter im Garten


Ab September werden die Tage kürzer, die Nächte kälter und Tiere, die Winterschlaf halten, treffen ihre Vorbereitungen, um gut über den Winter zu kommen. Am besten können wir das bei den Igeln in unserem Garten sehen oder auch bei Landschildkröten, falls solche bei uns leben .

Die Igel sind jetzt vermehrt auf Nahrungssuche, sie müssen sich eine Speckschicht für den Winter zulegen. Das heißt sie nützen jede schöne Stunde, um im Garten etwas Fressbares zu finden. Wenn sie also mittags im Sonnenschein über die Wiese laufen, sind sie nicht krank und brauchen unsere Hilfe, sondern verhalten sich ganz normal. Was sie zusätzlich benötigen, ist ein trockenes Winterquartier, in dem sie sich verstecken können. Das sind Laubhaufen, die der Gartenbesitzer unter Bäumen und Sträuchern aufgehäuft hat.

Leider hat vermeintliche Tierliebe in den letzten Jahre seltsame Blüten getragen. „Tierfreunde“ legen Katzen- und Hundefutter für die Igel aus, damit sie ja über das magische Körpergewicht von 500 g kommen und besorgen für sie Äpfel aus dem Supermarkt, vergessen dabei aber ganz, dass der Igel ein Insektenfresser ist (sein Gebiss beweist es!), der sich aus den überreifen schon angefaulten Äpfeln, die Insekten herausholt, z. B. die „Würmer“ bei denen es sich um Raupen von Kleinschmetterlingen handelt. 



In überreifen Gartenäpfeln findet der Igel zahlreiche Kleinstlebewesen. die ihm sehr gut schmecken.
Der Igel ist ein Insektenfresser!


Manche „Igelfreunde“ besorgen sich auch kleine Rezeptbücher , aus denen man gesunde, vitaminreiche und fettarme Igelkost nachkochen kann. Zudem kaufen sie Igelhäuser zum Überwintern, welche von Tierschutzorganisationen, Tierbedarfsläden und online angeboten werden, weil es in vielen Garten gar kein Laub mehr gibt. Alles ist dem Laubsauger zum Opfer gefallen, damit der Garten so ordentlich wie das Wohnzimmer für den Winter hergerichtet ist.
Ganz engagierte „Igelfreunde“ fangen die Igel ein, setzten sie auf die Waage und wenn ihr Gewicht nur wenige Gramm unter 500 g liegt, dann kommen sie in einen Schuhkarton und werden in die nächste Igelstation oder in ein Tierheim gebracht.

Dort müssen sie oft in warmen Räumen gehalten und werden täglich gefüttert, können also keinesfalls einen artgerechten Winterschlaf halten. Wenn sie so den Winter überstehen, werden sie irgendwo ausgewildert, keinesfalls in ihrem früheren Revier, weil ja niemand weiß, wo das war. Dort treffen sie auf einen schon vorhandenen Revierbesitzer, der sie vertreibt oder den sie vertreiben, je nachdem welcher von beiden den Winter besser überstanden hat, oft bezahlt das einer von beiden mit dem Leben.

Wenn Sie sehen, wie ein Gartenbesitzer seinen Garten laubfrei macht und ihm vorschlagen, doch eine gewisse Laubmenge für die Igel und ihren Winterschlaf übrig zu lassen, werden Sie selten auf Gegenliebe stoßen. „Wir wollen das Zeug nicht in unserem Garten!“ ist noch das freundlichste Argument, das Sie erwarten können.


Ein Igel marschiert im Sonnenschein auf Futtersuche durch den Garten.


Wenn Sie mehr über unsere Igel wissen wollen, um sie beim Überwintern unterstützen zu können, schauen Sie in diesem Blog nach unter Igel, Igelnahrun, Igel und Gartenzäune.

Dr. Beate Buer-Weber
7. 10. 15

14. September 2015

Artgerechte Schweinehaltung im Wald


Auf einem Informationschild der Bayerischen Forstverwaltung sieht man die Novemberszene im Stundenbuch Très Riches Heures des Duc de Berry, der berühmtesten Buchmalerei des französischen Mittelalters. Sie zeigt den Austrieb der Schweine in den Wald als Sinnbild des Herbstes. 

Die Eichelmast war in Mitteleuropa eine bis ins 19. Jahrhundert weitverbreitete landwirtschaftliche Praxis. Hausschweine wurden in die Eichen- und Buchenwälder getrieben, damit sie sich dort an den Eicheln und Eckern satt fraßen. Damit wurde ein kerniges Fleisch erzeugt, das sich besonders für die Haltbarmachung durch Räuchern eignete. Die Schweine durchwühlen den Boden nach essbaren Wurzeln, Würmern, Schnecken, Insekten und Kleinsäugetieren. Bei der Suche nach Nahrung verwühlen sie einen Teil der auf dem Boden liegenden Eicheln und verschaffen ihnen so bessere Keimbedingungen. Die Waldweide durch Schweine hat dadurch auch durchaus positive Auswirkungen für den Wald.

Lichte „Hutewälder“ aus Eichen, aber auch Buchen und Kastanien, gehörten seit dem Mittelalter zum typischen Landschaftsbild. Sie sind heute selten geworden, haben aber eine hohe ökologische Bedeutung und stehen oft unter Naturschutz.
Die alten Eichen und Buchen dienen mit ihrem hohen Totholzanteil vielen seltenen Tierarten, wie z. B. dem Hirschkäfer und einer Vielzahl von anderen Tieren als Lebensraum.


So ähnlich könnte ein ehemaliger Hutewald für die herbstliche Schweinemast mit seinen uralten Eichen heute aussehen


 
Hirschkäfer kennt wohl jeder – das sind aber fast immer Männchen.
Hier ein Weibchen, ebenfalls ein stattliches Tier, ohne die es keine Männchen mit ihren eindrucksvollen Zangen gäbe. Fotografiert in der Nähe eines ehemaligen Hutewaldes mit mächtigen Eichen und viel Totholz.


Heute noch bekannt ist die Eichelmast in Südspanien und Portugal bei dem oft halbwild gehaltenen und in Korkeichen- und Steineichenhainen gemästeten Iberischen Schwein, das den bekannten iberischen Eichelschinken (Jamón Ibérico de Bellota) liefert.
Auch in Mittelitalien und Kroatien ist die Eichelmast für Schweine eine wichtige Säule der Landwirtschaft. 



Auf den Eichen wachsen die besten Schinken – unter diesem Motto entstand 2003 die erste deutsche Eichelmasthaltung von Schweinen in Unterfranken bei der Stadt Iphofen.

Inzwischen sind in mehreren Regionen in Deutschland - auch bei uns in Mittelfranken erfolgreiche Versuche mit der Schweinemast im Wald gemacht worden. Ich will hier aber nicht für die Gourmets sprechen oder für die Forstwirtschaft, hier möchte ich nur berichten, wie ich mich als Tierfreundin gefreut habe, solche weitgehend artgerecht gehaltenen Schweine im Wald anzutreffen, die mit ihrem Leben sehr zufrieden schienen. Sie wühlten zusammen mit einem Kumpel im Boden, lagen in Zweier- oder Dreiergruppen im Schatten und genossen das frische Wasser, das der Landwirt ihnen gerade brachte. 

 
 Schweinehaltung im Wald in Oberlaimbach


Es gibt viele Tierfreunde, die nicht nur Hunde und Katzen lieben, sondern auch Nutztiere, die aber nicht auf Fleisch verzichten wollen. Für sie wäre das Fleisch von diesen Schweinen eine akzeptable Alternative. Die Schweine haben nicht nur ein artgerechteres, angenehmeres, sondern auch ein längeres Leben. Je nachdem in welchem Alter die Haltung im Wald beginnt und wie viel zugefüttert wird, dauert die Mast länger als im Stall und damit auch das Leben der Schweine. 


 Mittleres Schwein:
Cornwall-Schwein gekreuzt mit Deutschem Edelschwein – daher gefleckt 



Die „Initiative Tierwohl“ die in der zweiten Jahreshälfte 2014 gestartet wurde und zunächst für drei Jahre angelegt ist, ist ein Versuch, die Schweinehaltung zu verbessern. Landwirte und der Lebensmitteleinzelhandel werben damit, dass sie daran teilnehmen. Letzterer zahlt pro verkauftem Kilogramm Fleisch, vier Cent in einen Fonds – im Jahr 100 Millionen – das Geld kommt jenen Schweinehaltern zugute, die damit die gesetzlich vorgeschriebenen Haltungsbedingungen verbessern, wenn sie  ihren Tieren mehr Platz als üblich bieten, Auslauf gewähren und die Gelegenheit geben, sich zu beschäftigen, zu wühlen oder zu scheuern, aus einer offenen Tränke zu trinken oder Stroh in der Box zu haben. Gesetzlich vorgeschrieben ist für ein Schwein z. B. eine Fläche von 0,75 m² pro Schwein, sie kann dann auf 0,90m² erweitert werden. Welch eine armselige Verbesserung für das Schwein, welch ein Armutszeugnis für den Tierschutz, dass man solche Verbesserungen nicht gesetzlich durchsetzten kann, sondern erkaufen muss.



Ein Schwein labt sich in der Sommerhitze an dem frischen Nass
Dr. Beate Buer-Weber