5. August 2016

Keine Angst vor Schlangen – Autos sind viel gefährlicher

Menschen haben eine Urangst vor Schlangen, denn Schlangenbisse können tödlich sein und Riesenschlangen töten und verschlingen auch Menschen, wenn auch selten. Ich kenne ein Foto mit dem Kotballen einer Anakonda, in dem eine zusammen geknüllte Bluejeans und ein Turnschuh zu erkennen sind. Kein Wunder, so etwas Gruseliges macht Angst. Doch bei uns ist die Angst vor Schlangen unbegründet und trotzdem kaum zu überwinden. Darunter leiden vor allem die Schlangen, aber auch wir selbst.
Zwischen 1959 und 2003 sind in Deutschland keine Todesfälle nach einem Biss der Kreuzotter bekannt geworden. Im Jahr 2004 starb eine 81-jährige, die aber zuvor schon schwerkrank im Krankenhaus lag. Im selben Jahr starben 5.842 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr. Die wirklichen Risiken schätzen wir als ganz falsch ein. Nicht vor Schlangen müssen wir uns fürchten, sondern vor Autos. Das sagt uns der Verstand. Aber es fällt uns offenbar schwer, das einzusehen.
Alle unsere Schlangen flüchten sofort, wenn Menschen sich ihnen nähern oder sie zum Beispiel fotografieren wollen. Daran zeigt sich, dass sie Angst vor uns haben. Nur in äußerster Not, wenn sie nicht flüchten können und weiter bedrängt werden, beißen sie auch. Neugierige Hunde warnen sie durch Zischen, was die meist instinktiv verstehen und einen großen Bogen um die Schlange machen.
Bei der ganz harmlosen Ringelnatter, die zu unseren häufigsten Schlangen gehört, ist das Beißen mehr ein Zwicken. Ihre kurzen Zähnchen sollen nur die Beute festhalten und sie nicht zerbeißen.
Die Ringelnatter ist schon von Weitem leicht an den hellen, gelblichen Flecken hinter dem Kopf zu erkennen. Sie haben runde Pupillen.



Ringelnatter auf Hand

Unsere Kreuzottern gehören zu den Giftschlagen. Mit ihren Giftzähnen injizieren Gift in die Beutetiere, zu denen Menschen aber nicht gehören. Dieses Gift ist kostbar und wird deshalb sparsam dosiert. Nur Beutetiere erhalten die volle Dosis und sie zu töten und die Verdauung zu erleichtern. Bei Bissen aus Notwehr, die nur den vermeintlichen Angreifer vertreiben sollen, injizieren sie nur eine kleine Giftmenge, die eine Reaktion auslöst, die einem Wespenstich vergleichbar ist.
Kreuzottern fehlen die hellen Flecken hinter dem Kopf und sie haben schlitzförmige Pupillen. Auf dem Rücken tragen sie eine Zick-Zack-Zeichnung, die aber nicht immer klar zu erkennen ist. Auch die Färbung kann schwanken, wie bei den meisten Schlangen. Dunkle bis schwarze Kreuzottern sind aber nicht giftiger als helle.




Li. Kreuzotter in Angriffshaltung, re Kreuzotter auf der Flucht



Li. Die Ringelnatter hateine runde Pupille, re. die Pupille der Kreuzotter ist schlitzförmig


Häufiger als Schlangen begegnet man Blindschleichen. Das sind Eidechsen ohne Beine, die wie Schlangen aussehen und sich auch so bewegen. Auch sie sind wie Ringelnattern völlig harmlos, aber nicht so scheu.


Blindschleiche


Schlangen und Blindschleichen sind wechselwarme Tiere. Deshalb sonnen sie sich gern und das auf sonnigen Wegen und warmem Asphalt. Viele werden dabei überfahren, der Autoverkehr ist also auch für Schlangen gefährlich. Mit etwas Rücksicht kann manches Tier vor diesem Ende bewahrt werden.

Kellerfensterschächte und andere Gruben sind ebenfalls eine Gefahr für unsere Schlangen.







Ringelnatter im Kellerschacht   -  was tun?
Auch bei dem schummrigen Licht im Kellerschacht sind die gelben Flecken hinter dem Kopf gut zu erkennen.


Wird der Abdeckrost mit Gase überzogen, kann das nicht passieren. Außerdem bleibt der Schacht sauber, Laub und anderes fällt nicht mehr hinein. Hat sich doch eine Schlange in den Schacht vom Kellerfenster verirrt, dann reicht es, den Rost ab zu heben und einen Stock hinein zu stellen. An ihm können sie sich leicht hochwinden und sich selbst befreien.
Muss eine Schlange gefangen werden, hält man ihr einen dunklen Sack hin, in dem sie Zuflucht sucht. Zur Sicherheit sollte man dabei Gummistiefel und Gartenhandschuhe tragen.


Dr. Friedrich Buer
5, August 2016


Dr. Friedrich Buer ist Gründungsmitglied und Beirat des „Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. – VLAB“, einem neuen offiziell anerkannten Natur- und Umweltschutzverband. Ehrenpräsidenten sind Enoch zu Guttenberg und Hubert Weinzierl.





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