31. Dezember 2012

Landschildkröten im Garten - Freigehege, Unterschlupfhaus für Sommerruhe und Winterschlaf


Landschildkröten sind Wildtiere und sind am besten da aufgehoben, wo sie natürlicherweise leben und wo sie alles haben, was sie zum Leben haben müssen. Es ist sehr schwierig bis unmöglich, ihnen das alles in Gefangenschaft zu bieten. Hinzu kommt, dass jede Schildkrötenart andere Ansprüche hat. Hier geht es um eine Steppenschildkröte, die u. a. in Kasachstan, Afghanistan und Pakistan vorkommt. Sie wurde als faustgroßer Winzling zufällig in Neustadt a. d. Aisch gefunden. Wie sie hierher kam, wissen wir nicht. Sie braucht Steppenklima, im Sommer heiß und trocken, im Winter kalt und noch trockener. Sie hält lange Winterschlaf und manchmal auch Sommerruhe und überbrückt so die lebensfeindlichen Zeiten. Ihr natürlicher Lebensraum soll mehrere Hektar groß sein. In Freiheit wäre sie bei uns bald umgekommen.


Freigehege und Kleinklima
Jetzt hat sie ein Freigehege von etwa 30 Quadratmetern oder nur noch 0,003 Hektar. Gelegentlich wird sie außerhalb gehütet. Das Gehege wird von Natursteinen und von einer zur Sonne gerichteten Trockenmauer begrenzt. Die Steine heizen sich im Sommer auf und verschieben das Kleinklima im Gehege ein wenig in Richtung Steppenklima. Dazu gehört auch, dass es im Gehege viel mehr sonnige als schattige Stellen gibt und vor allem die Pflanzen konsequent kurz gehalten werden. Pflanzen verdunsten Wasser. Dabei entsteht Verdunstungskälte, die die Umgebung abkühlt und die Luft relativ feucht hält, was wir im Wald besonders an heißen Tagen spüren.

Was für uns der kühle Wald, das ist für Schildkröten der niedrige Pflanzenwuchs in ihrem Freigehege. Unter ihm bleibt es auch im Sommer kühl und feucht und der Boden wird kaum erwärmt. Deshalb muss der Boden regelmäßig oberflächlich mit einer Ziehhacke frei gehackt und gelockert werden. Wichtig besonders nach Regenwetter. Dann kann die Sonne den Boden trocknen und aufheizen und so das Kleinklima für Schildkröten optimieren. Natürlich nie das Freigehege gießen oder beregnen.
Ein bis zwei Futterpflanzen bleiben stehen. Löwenzahn und Knoblauchrauke treiben bald aus ihren Pfahlwurzeln neue Blätter, die besonders gern gefressen werden. Hinzu kommen die vielen Sämlinge der Pionierpflanzen (Unkraut), die als Samen im Boden nur darauf warten, nach dem Hacken endlich keimen zu können. Pro Quadratmeter können es Tausende sein. Auch sie sind Nahrung für die Landschildkröten

Unterschlupf für Sommerruhe - nicht für den Winterschlaf
Von Natur aus gräbt die vierzehige Steppenschildkröte meterlange Gänge bis sie eine Stelle findet, die ihr zusagt und das macht sie auch bei uns. Aber bei uns ist es im Winter nicht trocken wie in ihrer heimatlichen Steppenregion, sondern nass. Es regnet und schneit, der Boden bleibt feucht und nasser Boden leitet Kälte besonders gut, was man leicht überprüfen kann, wenn man nasse Kleider anzieht. Der physikalische Grund ist die sehr hohe „spezifische Wärme“ des Wassers. Besonders bei schweren Böden wird die Schildkröte deshalb in der Regel erfrieren und im Frühjahr nicht mehr zu finden sein, da sie sich schon selbst beerdigt hat. Ein Unterschlupf muss also vor allem trocken sein.

Einfacher Unterschlupf
Den Boden tief lockern und darauf im Laufe des Gartenjahres Zweige und Äste schichten, auch die vom Weihnachtsbaum, dazu Material aus dem Häcksler, Herbstlaub, auch Stroh ist brauchbar. Nur keine Küchenabfälle, Rasenschnitt und anderes wasserreiches Kompostmaterial, auch wegen der Mäuse, die angelockt werden.


 Im Haufen aus Ästen und Häcksel fühlt sie sich sehr wohl, besonders auf der Sonnenseite


  Auch die Amseln lieben den Haufen, weil er ihnen reichlich Futter liefert. Die Schildkröte, links, geht schon schlafen.

An der südlichen, regengeschützten Basis des Haufens kann man noch eine Betonplatte, die mit Abtönfarbe tiefschwarz gestrichen ist, legen. Sie heizt sich in der Sonne schnell auf und wird bald von der Schildkröte als Sonnenplatz entdeckt und geliebt. Liegt unter der Platte Hartschaum, kann die Wärme nicht schnell in den Boden entweichen und sie bleibt länger warm. 

 
  Gemeinsam wärmen sich die beiden auf der schwarzen Gehwegplatte. Seitlich ist die Isolierung aus Hartschaum zu sehen, die den Wärmeabfluss in den Boden bremst.

Hier steht eine weitere schwarze Platte senkrecht am Häckselhaufen. Zusammen absorbieren und speichern beide Platten noch mehr Wärme und werden deshalb von der Schildkröte sehr gern besucht.

Komplizierterer  Unterschlupf
Doch warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Es wird eine ca. 1m x 1m große Grube etwa 50 cm tief ausgehoben. Den Boden betonieren und die Wände mit Kalksandsteinen hochmauern, so dass der „Schildkrötenkeller“ etwa 20 cm aus der Erde herausragt. Diese solide Konstruktion verhindert, dass sich die Schildkröte einen Fluchtgang graben kann, was Vierzehenschildkröten sonst auch tun. Die Mauer außen verputzen und mit Bitumen streichen, damit auf keinen Fall Wasser eindringen kann. Darauf kommt außen 10 cm Hartschaumplatte zur Isolierung. Dann wird bis zur Kellerdecke Erde angeschüttet. Zuletzt wird das Kellergeschoß mit trockenem Buchen- oder Eichenlaub gefüllt, das schlecht verrottet und daher lange hält.

 Steppenschildkröten graben meterlange Gänge

Auf das Kellergeschoß wird das getrennt gebaute eigentliche Schildkrötenhaus gestellt. Die Architektur ist Geschmacksache. Wichtig ist, dass die Fenster nach Süden zeigen, damit sie morgens die Sonne einfangen und das Häuschen wie ein Gewächshaus erwärmt wird. Scheiben aus Kunststoff lassen das wichtige UV-Licht besser durch. Um die Wärme zu halten, sollte das Haus innen mit Hartschaum isoliert sein. Wer sich mit Strom auskennt, kann auch einen Neodymstrahler einbauen, der mit einer Schaltuhr gesteuert wird. So werden kalte und regnerische Sommerwochen kompensiert.

 Auf das gemauerte Kellergeschoß wird das Haus gestellt. Auch das Dach wird nur aufgesetzt. So kann man später an alle Teile heran.

 Blick ins Innere: unten der gemauerte Keller, darüber das isolierte Haus und der montierte Neodymstrahler. Die Fleece-Streifen auf dem Unterbau bewirken, dass das nur aufgesetzte Dach bündig aufliegt. Das Brettchen am Ausgang (wo gerade das Thermometer liegt) erleichtert der Schildkröte den Ausstieg aus dem Laub.

  Haus und Dach werden in der Werkstatt gebaut und draußen auf den Keller gestellt.


  Der bezugsfertige Neubau liegt in den ersten Sonnenstrahlen. Der Boden muss noch aufgeschüttet werden. Im Hintergrund die Trockenmauer.


Dann ist Einzug. Schon der erste Sonnenstrahl, der in das Haus fällt, lockt die Schildkröte aus ihrem Bett. Sie sonnt sich oder liegt unter dem Strahler. Hat sie genug Wärme getankt, geht sie zur Tür hinaus und abends wieder hinein. Richtig gehaltene Schildkröten erweisen sich als sehr lernfähig.

 Im ersten Sommer. Die Pflanzen müssen regelmäßig gelichtet werden, weil es sonst am Boden für die Schildkröte zu schattig, zu feucht und zu kühl wird.


 Schildkröten lernen schnell, wo sie gut schlafen können.


  Ich geh' schlafen - gute Nacht! Man gönnt sich ja sonst nichts



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